Sprachförderung im Alltag

Alle Kinder unserer Einrichtung finden in den Alltag eingebettet vielfältige Anregungen, ihre sprachlichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Unterschiedlichste Gesprächsanlässe erweitern das Sprachverständnis, den Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit der Kinder. Sie lernen dabei zum einen in den täglichen Morgenkreisen durch Gesprächsrunden, Geschichten, Lieder, Reime und Sprachspiele. Wichtig sind aber auch die vielfältigen Gespräche, die das Kind im Laufe des Kindergartentages mit anderen Kindern oder der Erzieherin führt. Ein anregungsreiches Umfeld und gemeinsame Aktivitäten schaffen dabei vielfältigen Gesprächsstoff.

Verbindliches Verfahren wird für uns das:

„Bisc“ und „HLL“ -
ein Angebot für die angehenden Schulkinder

Mitarbeiterinnen unserer Einrichtung sind in der Durchführung des Testverfahrens des „Bielefelder Screenings“ und des Förderprogramms „Hören, Lauschen, Lernen“ geschult. Dies ist ein Verfahren zur Früherkennung einer möglichen späteren Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Durch spielerische Aufgaben zur Sprach-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisentwicklung soll erkannt werden, ob das Kind in seiner phonologischen Bewusstheit altersgemäß entwickelt ist. Für die ermittelten Risikokinder startet im Halbjahr vor der Einschulung ein zwanzigwöchiges Förderprogramm, in dem täglich für 10 Minuten spielerisch die wichtigsten Vorläuferfunktionen für den späteren Schriftspracherwerb trainiert werden.

Kon-Lab

In unserer Einrichtung wird die Sprachförderung nach dem Modell „Kon-Lab“ ergänzt. Das Kon-Lab-Sprachförderprogramm verhilft sprachschwachen Kindern zu ihrer natürlichen sprachlichen Intuition. Dabei werden nicht wie bei herkömmlichen Trainingsmethoden Begriffe auswendig gelernt, sondern auf eine spielerische Weise sprachliche Regeln vermittelt und so die Sprechfreude angeregt. Davon profitieren nicht nur Kinder mit einer Sprachentwicklungsverzögerung, sondern gerade auch Kinder mit Migrationshintergrund.

Kon-Lab ist ein spezielles Programm zum Erlernen der Sprache und ihrer Regeln. Die Sprachentwicklung von den ersten Lauten bis zum 6. Lebensjahr wird noch einmal durchlaufen. Die Sprachförderung im Kindergarten ist eine unterstützende Arbeit. Sie ersetzt nicht die Sprecherziehung im Elternhaus. Bei speziell erkannten Problemen wird mit den Erziehungsberechtigten Kontakt aufgenommen und ggf. Tipps zur Unterstützung der Kinder bzw. auch die Weitervermittlung zur logopädischen Behandlung oder Behandlung durch einen HNO-Arzt empfohlen. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Sprachförderung im Kindergarten keinen Logopäden ersetzt.

Hintergrund

Seit August 2014 und noch bis zum November haben in neun Städten in NRW „Fachinformationstage zur Neuausrichtung der Sprachförderung“ stattgefunden. Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, hatte Leitungen und Träger von Kindertagesstätten eingeladen, um sie über die Neuausrichtung einer Alltagsintegrierten Sprachbildung zu informieren und die zur Auswahl stehenden Beobachtungsverfahren vorzustellen.

Die Entwicklungen in NRW haben für viele andere Bundesländer Modellcharakter. Es ist davon auszugehen, dass es bundesweit Veränderungen im Bereich Sprachförderung geben wird. Mit dem am 01.08.2014 in Kraft getretenen Kinderbildungs-Änderungsgesetz (KiBiz) wurden in NRW die gesetzlichen Grundlagen für eine Alltagsintegrierte Sprachbildung und Beobachtung für den Elementarbereich geschaffen. In der Präambel zu dem Gesetz wird von einem Paradigmenwechsel gesprochen, „der künftig eine Sprachbildung vorsieht, die sich sowohl an der Lebenserfahrung als auch den individuellen Lebenslagen der Kinder orientiert und integriert in den pädagogischen Alltag stattfindet“.

Darin inbegriffen ist eine entwicklungs- und prozessbegleitende Beobachtung der Sprachkompetenzen, die bei Eintritt in die Kita ab dem Alter von 1,5 Jahren durchgeführt und anstelle von derzeitigen punktuellen Sprachstandserhebungen (Delfin 4) für alle Kinder erfolgen soll. „Um diese Anforderungen erfüllen zu können, soll die Qualifikation der pädagogischen Fachkräfte im Hinblick auf eine Alltagsintegrierte Sprachbildung vertieft und intensiviert werden“ heißt es in der Broschüre von KiTa-NRW.

Dafür wird jede Kita-Fachkraft für die Sprachbildung und Sprachbeobachtung weitergebildet - das gesamte Team und nicht nur einzelne Sprachförderkräfte sind beteiligt. Die Fortbildungen des Kita-Teams sollen von einer Fachkraft des Kindergartens durchgeführt werden, die vorher in Intensivkursen für die Mentorentätigkeit ausgebildet worden ist. Für die verschiedenen Altersstufen wurde eine Auswahl an Verfahren getroffen, die eine entwicklungs- und prozessbegleitende Beobachtung und Dokumentation der Sprachentwicklung ermöglichen sollen.